von Katrin Strohmaier

Beinahe 26 Jahre sind vergangen, seit im Dezember 1984 nach technischen Pannen in einer Pestizid-Fabrik im indischen Bhopal rund 40 Tonnen giftiger Gase in die Luft entwichen waren. Schätzungen von Greenpeace zufolge starben in den ersten drei Tagen bis zu 8.000 Menschen, insgesamt sollen seitdem um die 20.000 Einwohner ums Leben gekommen sein und bis zu 150.000 leiden bis heute an den schweren Spätfolgen. Untersuchungen ergaben, dass der verantwortliche US-Konzern Union Carbide (heute Dow Chemical) zum Teil schwerwiegende Sicherheitsmängel an der Anlage ignoriert und somit die Bewohner umliegender Slums großen Gefahren ausgesetzt hatte.



Erstmals wurden nun acht der damals leitenden indischen Angestellten des Unternehmens der „fahrlässigen Tötung“ für schuldig befunden. Alle Angeklagten wurden zu zwei Jahren Freiheitsentzug auf Bewährung und einer Geldstrafe in Höhe von 2100 Dollar verurteilt, Union Carbide soll zudem 10.000 Dollar Strafe zahlen.

Im Jahr 1989 konnte sich der Konzern im Rahmen eines außergerichtlichen Vergleichs mit der Zahlung einer Entschädigung von 470 Millionen Dollar von seiner Verantwortung für die Katastrophe und somit jeglicher weiteren Strafverfolgung „frei kaufen“, eine allein im Vergleich zu den Arztkosten, die viele der größtenteils sehr armen Opfer seitdem bezahlen mussten unverschämt anmutende Summe. Kombiniert man dies mit dem nun verhängten sehr geringen Strafmaß, drängt sich einem unmittelbar der Begriff „Symbolpolitik“ auf. Symbolisch für eine anscheinende – wenn auch späte – Gerechtigkeit für die Opfer, symbolisch für das scheinbare Funktionieren der indischen Justiz.
Doch wer genau hinsieht, erkennt im Umgang des indischen Staates mit diesem schwerwiegenden Verbrechen vor allem ein ganz anderes Signal: Eines an die Wirtschaft nämlich und an ausländische Investoren, denen spätestens jetzt klar sein dürfte, dass ihnen in Indien kaum eine ernstzunehmende Strafverfolgung und rechtliche Konsequenzen drohen, sollten ein etwas laxer Umgang mit Vorschriften oder Menschenrechten unerwünschte Folgen nach sich ziehen.

Weitere Informationen von Amnesty International Deutschland